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Selbstoptimierung in der Schweiz (Ausstellungstipp für Urlaubstage)

An heißen Augusttagen fuhr einst bereits Erich Kästner auf Anraten seiner Mutter in die oberbayrische Bergwelt, um seine zum Kinderbuchklassiker avancierte Weihnachtsgeschichte Das fliegende Klassenzimmer zu schreiben. Denn man kann "doch beim besten Willen nicht im August hinschreiben, während man wie ein Schmorbraten im Familienbad liegt und auf den Hitzschlag wartet": "Es war schneidend kalt, der Schnee fiel in Strömen, und Herrn Doktor Eisenmayer erfroren, als er aus dem Fenster sah, beide Ohrläppchen". Mit Blick auf die Zugspitze gelang es, zumindest nach der Rahmenhandlung.

Wer vor heißen Augusttagen in die Schweizer Bergwelt flüchtet, dem sei die aktuelle Ausstellung im Vögele Kultur Zentrum in Pfäffikon wärmstens ans Herz gelegt. Unter dem Titel "Ist gut nicht gut genug? Warum fordern wir so viel von uns?" (https://www.voegelekultur.ch/aktuelle-ausstellung) zeigen zwölf Künstler_innen ihre Werke zur aktuellen Selbstoptimierungskultur

(vgl. Ulrich Bröckling (2007): Das unternehmerische Selbst: Soziologie einer Subjektivierungsform. Frankfurt am Main, ISBN 978-3-518-29432-1). Inzwischen "haben sich die Lebensbereiche vervielfacht, in denen wir den Anspruch erheben, ein Optimum erreichen zu müssen. Wir wollen auch die Arbeitsproduktivität, die Partnerwahl, die Freizeiterlebnisse und die geistige Flexibilität optimieren", ist die Idee hinter der Ausstellung, die unsere Lebensweise kritisch anfragt.

Wer es einrichten kann, sei auf zwei besondere Veranstaltungen hingewiesen:

  • Vortrag mit Podiumsdiskussion: "Hirndoping wird gesellschaftsfähig" (6.7.2018, 18:30–20:00 Uhr)
  • Referat mit Publikumsdiskussion: "Selbstoptimierung bei Kindern: Risiken und Nebenwirkungen" (13.9.2018, 13:30–16:30 Uhr)

Und wer aus der Ferne stöbern möchte, weil auch das Meer kühlt, aber nicht so steil ist: Im zugehörigen Bulletin 105 (https://www.voegelekultur.ch/bulletin) haben zwölf Autor_innen ihre Gedanken verschriftlich, darunter Thomas Meyer: "Realismus statt Coaching".

Und wenn wir uns dann im Herbst wie einst Erich Kästner vor einem Kaffeehaus auf dem Berliner Kurfürstendamm sitzen und gelbe und braune Blätter auf den Asphalt fallen, dann können wir über den Beitrag der Jobcenter zur Selbstoptimierung und die Möglichkeiten, kritisch-reflexiver Supervision, diese Beiträge zu mindern, ins Gespräch kommen. Anregungen gibt es im Rahmen der Fachtagung des Deutschen Vereins für Führungskräfte im Jobcenter Mitte September. Ob dort auch Makkaroni mit Schinken, eines von Kästners Leibgerichten, serviert werden, müssen wir vor Ort feststellen. Kritische Gedanken zur gouvernementalen Wirkungsweise der Jobcenter haben Hans-Peter Griewatz und Volker Jörn Walpuski jedenfalls gerade aus Sicht der Supervision publiziert:

Gern können Sie die Artikel von Volker Jörn Walpuski und Hans-Peter Griewatz kostenfrei (nach Registrierung) hier lesen:

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