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Burnout-Gefährdungen in der der Sozialen Arbeit (Fachtag Hochschule Hannover)

Der Fachtag „Dialog Soziale Arbeit. Burnout-Gefährdungen in der der Sozialen Arbeit“ lockte Volker Walpuski gestern in die Hochschule Hannover.

Mit einem kurzweiligen Vortrag über den „Fluch von Mitgefühl und Idealismus – Burnout als Berufsrisiko in der Sozialen Arbeit“ führte Prof. Dr. Michael Einck in den Tag. Dafür stellte er der Publikum Anne-Line Svendsen, Protagonistin im Bestseller „Selfies“ von Jussi Adler-Olsen (vielleicht spannend, literarisch jedoch kein Genuss, wie auch Arno Orzessek im kulturradio befand), als Phänotyp einer resignierten, enttäuschten, zynischen Sozialarbeiterin vor: als Beispiel und als Warnung.

Denn Soziale Arbeit (und andere helfende, lehrende und soziale Berufe) seien stärker betroffen von Burnout, sofern man ‚Burnout‘ nicht inflationär-verharmlosend für Depressionserkrankungen oder pathologisierend für normale Erschöpfung nutze. Michael Einck versteht (im Widerspruch zu der Mehrzahl der Autor_innen) ein Burnout nicht als minderschwere Vorstufe einer Depression, sondern für ihn ist es bereits eine. Eine Depression ist, wie viele psychische Erkrankungen, gesellschaftlich weiterhin wenig akzeptiert. Ein Burnout hingegen ließe sich fast heroisch als „Verwundetenabzeichen der Leistungsgesellschaft“ herumzeigen.

Michael Einck wies auf das Spannungsfeld des Burnouts zwischen persönlichkeitsbedingten Aspekten und den strukturell bedingten Arbeitsbedingungen hin: Allzu häufig würde mit Ansätzen wie Achtsamkeit/Mindfulness die Problematik individualisiert, also der Mitarbeiter_in zugeschrieben, der dann für sich eine Lösung finden muss. Viel zielführender sei es jedoch häufig, Strukturen in der Arbeitswelt kritisch zu hinterfragen und zu verändern. Supervision könne dabei ein wichtiger Baustein für die Gesundheit von Beschäftigten sein, denn dort wäre ein Raum, Emotionen und Affekte zu be- und verarbeiten.

Zur weiteren Lektüre empfahl er Rainer Gross (2015): Angst bei der Arbeit - Angst um die Arbeit. Psychische Belastungen im Berufsleben. Bern: Huber (hier ausführlich rezensiert)

Für Volker Walpuski war der Vortrag (und der anschließende Workshop von Sylvia Wagenaar) eine Bestätigung seiner Supervision und Beratungsarbeit im Kontext psychischer Belastungen am Arbeitsplatz: Konfliktursachen sind neben zwischenmenschlichen Themen auch häufig in den Arbeitsstrukturen zu finden.

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