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Stadt Heidenheim setzt auf regelmäßige Supervision in Kitas

Regelmäßige Fallsupervisionen sind Teil eines trägerübergreifenden Konzepts für Kindertagesstätten, wie Dieter Henle, bis vor zuständiger Fachbereichsleiter der Stadt Heidenheim, im Gespräch mit DER ZEIT (8.7.2016 | Nr. 29/2016) erläuterte. Inhalte der Supervisionen sei, wie Kita-Mitarbeitende „mit Kindern umgehen und wie sie kritische Situationen bewältigen können. ‚Das Kernproblem ist, dass es den Fachkräften oft an Feedback mangelt‘, sagt Henle. Deshalb sei es sehr wichtig, dass die Erzieher regelmäßig von externen Coaches oder Supervisoren begleitet würden. ‚Viele Mitarbeiter nehmen es zunächst persönlich, wenn Kritik geübt wird. Aber im Laufe der Zeit merken sie, dass das ihre Arbeit besser macht.‘“

Dies deckt sich mit den Erfahrungen, die Volker Walpuski als Supervisor in zahlreichen niedersächsischen Kindertagesstätten gemacht hat: Der Umgang mit fordernden Eltern, interkulturelle

und religiös-moralische Fragestellungen, Kinder mit besonderem Verhalten, konstruktiv-kritisches Feedback innerhalb des Teams sowie die Einigkeit in der Umsetzung von Konzeption und Regeln sind zentrale Themen in Supervisionen. Diese Themen bleiben oft unzureichend bearbeitet. Einerseits, vielleicht etwas vordergründig, weil die Zeit (und das Budget) für Reflexion und Supervision zwischen (zu) vielen Anforderungen zu knapp erscheint und es schwer ist, allleTeammitglieder zur gleichen Zeit zu versammeln. Andererseits aber auch, weil Reflexion und konstruktive Kritik unbequem und ungewohnt sind und die eingespielte Alltagsroutine hinterfragen. In der Folge findet Supervision oft nur statt, wie ‚Bohemien‘ auch kommentiert, „wenn was grundlegend schief läuft“. Dadurch bekommt Supervision leider schnell den Anstrich eines kurativen Krisenwerkzeugs, das ungefähr so beliebt ist wie ein Zahnartztermin: „Es hilft ja nicht, wir müssen da hin.“

Die förderlichen Leistungen regelmäßiger Supervision für die persönliche Entwicklung pädagogischer Fachkräfte und ihre Arbeit geraten dabei völlig aus dem Blick. Regelmäßige Supervision in Kindertagesstätten ist notwendig, weil

  • sie notwendige Reflexionszeiten garantiert und institutionalisiert, die sonst zu schnell im Alltagsgeschäft unter den Tisch fallen.
  • sie konzeptionelle Einigkeit in Gesamtteams herstellen und Konflikte in Teams präventiv reduzieren kann. Damit sichert sie die Arbeitsfähigkeit und -qualität in mehrfacher Hinsicht.
  • sie mit ihren Werkzeugen Handlungsalternativen gegenüber Kindern, Eltern und Kolleg_innen erarbeiten und das situative Verständnis erweitern kann. Gerade vor dem Hintergrund neuer Aufgaben wie Inklusion und Integration von Flüchtlingskindern/Kindern mit Migrationshintergrund hilft Supervision, pädagogische Handlungsspielräume zu sichern und zu erweitern.

Auch wenn Supervision zunächst sperrig erscheint, ist es sinnvoll, diese einzuüben und regelmäßig, mindestens monatlich durchzuführen. Jetzt ist der Zeitpunkt für Leitungen, mit Kostenträgern dafür das Budget für das kommende Jahr zu vereinbaren.

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