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Konfliktlösung als Leitungsthema. Konflikte akzeptieren, deeskalieren und lösen (Fachbeitrag in Kita-Aktuell 5/16)

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift KiTa-aktuell für Kindertagesstätten erschien ein Fachbeitrag von Volker J. Walpuski, den wir Ihnen gern zur Verfügung stellen. Volker J. Walpuski ist im Jahresverlauf auch als Experte mit den Schwerpunkten Supervision, Konfliktlösung und Organisationsentwicklung als Referent auf dem Deutschen Kita-Leitungskongress 2016 in Berlin (2x) und Düsseldorf vertreten. Hier der ungekürzte Fachbeitrag:

Konfliktlösung als Leitungsthema. Konflikte akzeptieren, deeskalieren und lösen 

Arbeit in Kindertagesstätten ist unweigerlich mit viel Kommunikation und dem immer wieder neuen Aushandeln von Interessen und Bedürfnissen verbunden. Manchmal ist das beschwerlich, und ein Missverständnis folgt dem nächsten. Andere Male stehen sich Interessen gegenüber,

und eine Einigung scheint unerreichbar. Häufig wird von Einrichtungs- oder Gruppenleitungen erwartet, zur Konfliktlösung beizutragen. Die Kompetenz, Konflikte zu deeskalieren und zu lösen, ist deshalb im Alltag unverzichtbar. Drei konkrete Anwendungsfelder zeigen das:

1. Im Zentrum der Arbeit stehen Kinder. Die Ansprüche an frühe Bildung wachsen kontinuierlich: Spracherwerb, Motorik und Sozialkompetenz sind zentrale Themen, und dazu gehört auch zu lernen, wie sich Konflikte gewaltfrei lösen lassen. Es gibt zahlreiche Ansätze, schon im Elementarbereich alternative Konfliktlösungsmethoden einzuführen und Kinder zu befähigen, selbst ihre Interessen zu vertreten. Dafür müssen diese Methoden bekannt sein und in das pädagogische Konzept einfließen. Letztlich ist auch dies ein Baustein, um die UN-Kinderrechtskonvention umzusetzen.

2. Der betriebliche Alltag in zum Teil sehr großen Teams erfordert zahllose Entscheidungen. Das ist eine wichtige Aufgabe von Leitung. Der Umgang mit Konflikten im Team kann Arbeitszufriedenheit, Krankenstand und Personalfluktuation beeinflussen: Wo Konflikte zielstrebig bearbeitet und gelöst werden, steigt die Arbeitszufriedenheit und der Zusammenhalt des Teams. Fachkräfte sind motivierter und bleiben. Die Arbeitskraft kann sich auf die Kinder und ihr familiäres Umfeld konzentrieren.

3. Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist Konfliktlösung ein relevantes Thema für Leitung. Studien beziffern die versteckten Kosten von Konflikten durch Fehltage, Qualitätsmängel, Verzögerungen und Personalfluktuation. In der Kindertagesstätte werden diese in erhöhtem Aufwand für Vertretungs- und Springerkräfte oder in sinkender Auslastung sichtbar, weil sich für Eltern die Attraktivität der Einrichtung reduziert. Auch für den wirtschaftlichen Erfolg der Einrichtung ist eine zielstrebige Konfliktlösung deshalb wichtiges Handwerkszeug.

Konflikte sind deshalb für Leitung ein hochrelevantes Aufgabengebiet, das Hintergrundwissen, Rollenklarheit und auch Übung für das Lösungshandeln benötigt. Gleichzeitig werden Konflikte oft als belastend und unangenehm erlebt, obwohl sie häufig eine Chance zu inhaltlicher und organisatorischer Weiterentwicklung darstellen.

Zunächst heißt es, Konflikte anzuerkennen und zuzulassen: Es ist natürlich, dass es Unterschiede gibt und diese zu Konflikten führen. Wichtig ist, wie sich diese Unterschiede besprechen lassen. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob die Konfliktparteien Kinder oder Erwachsene, Mitarbeitende, Träger oder Eltern und wie gut ihre Deutschkenntnisse sind.

Im Eifer des Tagesgeschäfts kocht jedoch schnell etwas hoch, ein Wort gibt das andere und es entsteht der Druck, sofort zu reagieren. Häufig fällt jetzt eine unüberlegte Entscheidung, um schnell zu einer Lösung zu kommen. Im Nachhinein stellt sich diese dann als unüberlegt oder übereilt heraus. Deshalb ist es sinnvoll, Konflikte zu verlangsamen und dadurch zu deeskalieren. Es gilt, in Ruhe Klarheiten herzustellen: Wer spricht in welcher Funktion? Wer hat welche Interessen und Erwartungen? Woher rühren diese? Handelt es sich überhaupt um einen Konflikt oder ‚nur‘ um einen Kommunikationsunfall? Das kostet in diesem Moment zwar wertvolle Zeit, erspart später aber viel mehr Zeit, die dann für eine Klärung, Rettung oder die Aufräumarbeiten notwendig wäre.

Wenn der Konflikt gut sortiert ist, lassen sich meist sehr schnell Lösungen finden. Es ist klar, wer was möchte oder braucht, um Frieden schließen zu können. Manchmal ist es hilfreich, nicht gleich die erstbeste Lösung zu verabreden, sondern zunächst einen bunten Strauß an Lösungsmöglichkeiten zusammenzustellen und erst später auszusuchen, welche Lösung die beste der möglichen ist.

Eine Leitungsperson, die Konflikte akzeptieren, deeskalieren, sortieren und einer Lösung zuführen kann, benötigt für ihre Arbeit deshalb Wissen über Konflikte: Welche Lösungsstrategien haben Menschen für Konflikte? Wodurch werden Konflikte so dynamisch und schnell? Was macht es so schwer, sich nicht in Konflikte hineinziehen zu lassen? Und welche Techniken und Methoden kann ich dafür nutzen?

(c) Dieser Text ist urherberrechtlich geschützt. Sie möchten den Text gern nutzen? Bitte wenden Sie sich an den Verlag WoltersKluwer, in dem die Fachzeitschrift KiTa-aktuell erscheint.

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