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Konfliktmanagement-Kongress 2015 in Hannover

Der Bogen des 12. Konfliktmanagement-Kongresses 2015 im Landgericht Hannover war weit gespannt: Von persönlichen Highlights möchte Volker Walpuski rückblickend berichten:

Professor Dr. Peter Fischer (Universität Regensburg) eröffnete den Kongress mit einem Impulsvortrag aus seinen sozialpsychologischen Forschungen. Schnell wurde deutlich, welchen kognitiven Wahrnehmungsverzerrungen Menschen unterliegen. Diese sind in der Regel vollkommen unbewusst und wirken auch in Mediationen. Denn (frei nach Pippi Langstrumpf) wir denken uns die Welt, wie sie uns gefällt. Diese Prozesse lassen sich inzwischen durch Forschung einzelnen Regionen im Gehirn zuordnen.

Hilfreich ist beispielsweise das Wissen um den confirmation bias (Bestätigungsfehler): Wir unterliegen der Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Im Konflikt bedeutet das, Gegenargumenten oder Alternativlösungen viel ablehnender gegenüberzustehen und diese nicht auf einer rationalen oder sachlichen Grundlage abzuwägen. Die Kunst von MediatorInnen ist es dann, diesen Effekt abzumildern.

 Damit schloss der Vortrag inhaltlich

an den letztjährigen Eröffnungsvortrag von Professor Dr. Arist von Schlippe, der vor allem den fundamentalen Attributionsfehler (correspondence bias) in Verbindung mit der Selbstwertdienlichen Verzerrung (self-serving bias) in ihren Einflüssen auf das Konfliktverhalten vorstellte. Auf die Dokumentation des aktuellen Vortrags auf der Webseite des Kongresses bin ich sehr gespannt.

Anschließend arbeitete der Kongress in sieben Foren weiter. Das Forum 2 beschäftigte sich unter der Leitung des Mediators Heiner Krabbe mit KurzZeitMediation. Mediationsprozesse sind als soziale Prozesse angelegt und benötigen entsprechend Zeit. Die Dauer hängt unter anderem von der Zahl der Beteiligten, der Konflikteskalation, der Komplexität und auch den sozialen Kompetenzen der MediandInnen ab. Gelegentlich gibt es jedoch Situationen, die eine Mediation in nur einem Termin erfordern. Gründe können lange Anreisewege der Beteiligten, eine große Zahl von Beteiligten, äußerer Zeitdruck oder auch die von Hartmut Rosa beschriebene allgemeine Beschleunigung sein. Manchmal kann es dann sinnvoll sein, eine Mediation zu komprimieren und in einer einzigen Sitzung durchzuführen. Krabbe entwickelte analog zu Steve de Shazers Ansatz einer Kurzzeittherapie ein Modell für eine KurzZeitMediation. Dies ist jedoch für alle Beteiligten sehr anstrengend und nur in besonderen Einzelfällen erfolgsversprechend, wie in einem Rollenspiel sicht- und spürbar wurde.

Bezüglich der Rechtsverordnung für den zertifizierten Mediator gab es erwartungsgemäß keinen neuen Sachstand zu vermelden. Orevo bereitet jedoch schon in diesem Jahr monatlich gezielt eine Supervisionsgruppe für MediatorInnen an (montags in Hannover). Darin können Fälle besprochen werden. Die Supervision ist nach dem derzeitigen Entwurf notwendig, um die Zertifizierung zu erhalten. Bitte sprechen Sie uns bei Interesse gern an.

Insgesamt war der Konfliktmanagementkongress äußerst lohnend. Die Auswahl war zu groß: Auch die Workshops zu Wahrnehmungsstörungen in der Mediation oder über Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg lockten. So bleibt nur die Vorfreude auf weitere spannende Kongresse, das nächste Mal im Herbst 2016.

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