Orevo - Aktuelles

3. Konferenz Systemdesign - Technologische Transformation, zukunftsfähige Organisationen und Konfliktmanagement (Nürnberg)

Mit dem Vortrag „Auf dem Weg zur digitalen Fabrik“ eröffnete mit viel Verve Dipl.-Ing. Johann Hofmann aus Regensburg die Konferenz am 18. April 2015 in Nürnberg. Er präsentierte technologische, personale und organisationale Erkenntnisse aus Entwicklungs- und Reorganisationsprozessen der Maschinenfabrik Reinhausen. Aus Sicht der Industrie soll die zunehmende Komplexität und sinkende Robustheit von Prozessen durch intelligente

Assistenzsysteme beherrschbar werden. Verständlich wird dies an diversen Fahrassistenzsystemen in Fahrzeugen wie dem Abstands- oder Spurhalteassistent. Der Mensch wird dann zum „Augmented Operator, der die Produktionsprozesse dank einer virtuell erweiterten Sicht auf die reale Fabrik besser wahrnehmen und steuern kann.“ Damit dies gelingt, benötigt der Mensch Schulung und Training sowie unterstützende Beratung, mit den ständig notwendigen Entscheidungen klar zu kommen. Orevo hat insbesondere zu den individuellen und organisationalen Auswirkungen von mobile computing bereits geforscht und publiziert, und Volker Walpuski wird diese Ergebnisse am kommenden Sonnabend auf einer Forschungskonferenz in Budapest präsentieren.

Professor Dr. Rudolf Wimmer von der Universität Witten/Herdecke schloss einen hörenswerten Vortrag auf der Makroebene daran an: „Auf dem Weg in die ‚nächste Gesellschaft‘. Change Management im Dienste der Zukunftsfähigkeit von Organisation.“ Er sieht in der Digitalisierung wie Dirk Baecker einen tiefgehenden Wandel unserer gesellschaftlichen Verhältnisse und gleichzeitig in den gegenwärtigen Modellen von Wirtschaften und Ressourcenverbrauch eine Sackgasse („Grenzen des Wachstums“). Organisationen, die den Wandel überstehen wollen, benötigen einen neuen Umgang mit Komplexität, mit Unsicherheit und Instabilität. Dazu gehört Wimmers Meinung nach ein wesentlich differenzierterer Umgang mit Konflikten. Anstatt Konflikte ausschließlich dysfunktional auf der personalen Ebene zu bearbeiten gelte es vielmehr, sie im systemischen Sinn auch konstruktiv für die Organisationsentwicklung zu deuten und zu nutzen. Ein Ansatz, den auch Orevo befürwortet: Neben der akuten Konfliktlösung gehören weitere Elemente aus der Organisationsberatung in die Beratungsarchitektur.

Dr. Wilfried Kerntke moderierte einen Workshop, der sehr von Hartmut Rosas Thesen zur Beschleunigung geprägt war. Fast nahtlos schloss sich inhaltlich an Prof. Wimmer an, dass Konflikte dann entstehen, wenn Entscheidungen oder Entscheidungsprämissen infrage gestellt und neu ausgehandelt werden. Entsprechend rät er für Konfliktbearbeitungen in Organisationen neben den bereits vielerorts etablierten Mediationen oder Konfliktlösungen auf personaler Ebene (Orevo wird in Konfliktfällen häufig mit ‚Teamentwicklungen‘ beauftragt) dazu, die Konflikte für die Organisationsentwicklung zu nutzen. Damit das gelingt, sind Gesprächsräume der Entschleunigung mit den Konfliktbeteiligten im weiteren Sinne.

In einem weiteren Workshop präsentierte Kurt Faller seine Überlegungen zu „Achtsamem Management. Führen in Zeiten hoher Unsicherheit und hoher Komplexität.“ Faller verdeutlichte, dass es zwar häufig normative Leitbilder, Betriebsvereinbarungen und Richtlinien zum konstruktiven Umgang mit Konflikten in Organisationen gäbe, diese im Ernstfall aber in der Regel nicht praktiziert würden. Stattdessen griffen tradierte und erprobte Bearbeitungsmuster, nach denen Führung steuern und kontrollieren, standardisieren und beschleunigen muss. Aus dieser Beobachtung heraus schlägt er eine Haltungsänderung bei Führungskräften vor und sieht in Mediationsausbildungen eine große Chance, diese auch zu erreichen. Seine Anregungen für achtsame Führungskräfte fußen unter anderen auf den Modellen von Peter Senge („Die 5. Disziplin“) sowie Karl E. Weick.

Neben den beiden beschriebenen Workshops fanden insgesamt sechs weitere Workshops statt, unter anderem von Dr. Christian Hochmuth vom Institut für Konfliktmanagement an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), der das Viadrina-Komponentenmodell eines Konfliktmanagement-Systems vorstellte.

Fazit: Große Übereinstimmung in den vorgestellten Themen und Methoden mit der von Orevo praktizierten Arbeit stellen eine gute Bestätigung dar. Und phantastisch war auch der Blick aus dem Konferenzraum über die Dächer der Altstadt auf die Burg, wo die Flaggen im Sonnenschein wehten. Für Rätselraten sorgte dabei der 'Wachtturm' inmitten der Stadt: Später stellte sich heraus, dass es der Sendeturm auf dem Fernmeldeamt I ist.

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