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ANSE-Forschungskonferenz 24./25.4.2015: Reflexionen aus Budapest

Die erste europäische Forschungskonferenz zu Supervision und Coaching der Association of National Organisations for Supervision in Europe (ANSE) fand am 24./25. April 2015 in der Károly-Gáspár-Universität in Budapest statt. Die Konferenzsprache der Teilnehmenden aus 13 europäischen Staaten war Englisch. Volker Walpuski war mit einem Vortrag beteiligt (siehe unten).

Reflexionen in BudapestDie Konferenz wurde nach den Grußworten mit einem Vortrag  ‘On Democracy. Interpretations and Misinterpretations’ von Professor Anton Pelinka eröffnet. In einem Überblick über demokratische Entwicklungen und den status quo in Europa machte er deutlich, dass eine liberale Demokratie bei weitem kein perfektes System sei, aber Diskussion und Kritik ermögliche. Diese Freiheit sei notwendig, um forschen zu können.

Professorin Zsuzsanna Mirnics von der Karoli Gaspar University in Budapest referierte anschließend über ‘Methodical and practical issues in research of supervision process’ und führte damit in einen Konferenzschwerpunkt ein, die Forschung zur Wirksamkeit von Supervision und Coaching. Sie drehte die evidenzbasierte Praxis in eine praxisbasierte Evidenz um und sagte, dass Supervision wirke, aber noch nicht klar sei, warum. Wichtig sei nachweislich die gute Beziehung zwischen Supervisor/Supervisand bzw. Coach/Coachee.

Es folgten zwei parallele Seminargruppen mit zahlreichen Vorträgen. Volker Walpuski besuchte schwerpunktartig Vorträge, die einen Überblick über die Supervisionssituation in Europa gaben.

Tone Haugs von der Universität Stavanger in Norwegen präsentierte Erfahrungen aus der Ausbildungsarbeit mit Erzieherinnen und Erziehern sowie Kindeswohlfürsorgern. So hätten seit kurzer Zeit Berufseinsteigerinnen ein Recht auf Supervision im ersten Arbeitsjahr, was es bei Lehrern schon länger gäbe. Erfahrene Erzieherinnen werden zu Supervisoren weitergebildet. Tone Haugs berichtete über die Erfahrungen mit Reflexionsberichten aus dieser Weiterbildung (‘The use of Essay as a tool in supervisors professional development’).

Professorin Dr. Kristīne Mārtinsone von der Stradiņš-Universität Riga (Lettland) stellte in ihrem Vortrag ‘Supervision in different professional groups in Latvia: results of a pilot study’ dar, wie sich Supervision als Profession in Lettland seit 1991 entwickelt hat. In Lettland ist Supervisor demnach ein staatlich anerkannter Beruf.

Brigita Rupar aus Slowenien zeigte Ergebnisse aus der Forschung mit rund 145 Grundschullehrerinnen und 15 -lehrern in zwei Versuchsgruppen: supervisionserfahren/nicht supervisionserfahren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die supervisionserfahrenen Grundschullehrerinnen sowohl eine kritischere als auch kreativere Sicht auf Schüler und die Dinge entwickeln. Dabei unterstützen sie Lernprozesse der Schülerinnen individueller, zum Beispiel durch das Benennen eigener Emotionen und das Achten auf Gefühle von Schülern. 

Tiina Merkuljeva aus Estland stellte ihre Forschungen zu Supervisionserfahrungen von 106 Jugendamtsmitarbeitenden aus dem ländlichen Estland vor (‘Supervision experience and expectation of child protection workers in Estonian municipalities’). Dabei wurde deutlich, dass die Kindeswohlfürsorger nur zu geringen Teilen Erfahrungen mit Supervision haben und unter Supervision zum Teil sehr unterschiedliche Dinge verstehen.

Ola Ravndal  Bjørnestad, ebenfalls aus Stavanger in Norwegen, führte in einen Veränderungsprozess der öffentlichen Gesundheitsfürsorge ein (‘Supervisory challenges in Norwegian public healthcare surroundings’), verbunden mit der Frage, inwieweit Supervision an der Schnittstelle zwischen Krankenhausverwaltung, Ärzten und Kommunalverwaltung hilfreich für einen gelingenden Change-Prozess sei. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass dies sinnvoll sein könne für Entscheider, die Steuerungsgruppe in der Veränderung aber vor allem auch für die Planer eines Veränderungsprozesses vor der Umsetzung.

Wolfgang Knopf aus Wien eröffnete den zweiten Konferenztag mit einer Einordung von Supervision in den European Competence Framework (‘The role of research in the development of ANSE’). Er zeigte die Chancen auf, die durch die ANSE bestehen, verdeutlichte aber auch die unterschiedlichen Traditionen der Supervision in Europa mit einem sozialpolitischen oder einem klinischen Beratungshintergrund. Insgesamt ermutigte er zu englischsprachigen Fachpublikationen.

Wieder folgten zwei parallele Seminargruppen mit zahlreichen Vorträgen. Volker Walpuski besuchte schwerpunktartig Vorträge, die einen Überblick über die Supervisionssituation in Europa gaben.

Volker Walpuski eröffnete die Seminargruppe mit seinem Vortrag über seine bereits publizierten sowie neue Forschungsergebnisse zur ständigen Erreichbarkeit und Smart Devices. Die Folien des Vortrags können Sie hier als englischsprachiges pdf (531 kB) laden.

Es folgte ein Vortrag der Linguistin Yasmin Aksu aus Deutschland, die mit der Gesprächsanalyse Supervisionsprozesse untersucht, um Supervision zu verbessern ( ‘Using the micro-level perspective of conversation analysis to improve communication in supervision’). Ihre Einblicke in Gesprächssequenzen erhellen das kommunikative Geschehen im Supervisionsprozess, so zum Beispiel, ob Supervisanden nur scheinbar oder wirklich der Gesprächsstrukturierung durch den Supervisor folgen.

Dr. Anja Appel aus Wien zeigte Ergebnisse einer Untersuchung über ‘Supervision and Coaching in Non-Govermental Development Organizations’. Sie zeigte, dass dort vor allem auf der Mikro- und der Meso-Ebene im Heimatland Supervisionsbedarfe bestünden, weniger hingegen auf der Makroebene der Arbeit in sogenannten Entwicklungsländern. Themen seien unter anderem das Spannungsfeld zwischen Ehren- und Hauptamtlichkeit oder Fragen der strategischen Ausrichtung der Organisation.

Katalin Hankovszky stellte eine kurze Untersuchung über das eigene Lernverhalten von Coaches vor (‘Understanding of learning in a “new profession”: coach on their own learning’). Dabei wurde sichtbar, dass Coaches lebenslang lernen (müssen). Lernen findet in ihrer Eigenwahrnehmung vor allem als Koproduktion in Dialogen statt, kaum jedoch durch Literatur.

Noah Artner, Absolvent des Supervisionsstudiengangs der Donau-Universität Krems, Österreich, zeigte ein Poster seiner Masterarbeit: ‘Research Methods and Results of Masterthesis on Supervision-Subjects’.

In den parallelen Seminargruppe präsentierten unter anderem die Forschungsgruppe um Professor Dr. Heidi Möller (Universität Kassel) sowie Professor Dr. Frank Austermann (Hochschule Hannover, DGSv-Vorstand) ihre Forschungsergebnisse.

Die Konferenz schloss mit einer Auswertung im Plenum, einer Einladung zur Summer University nach Zadar (Kroatien) und einem gemeinsamen Mittagessen. Eine englischsprachige Publikation der Konferenzbeiträge ist für Herbst 2015 geplant.

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