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Konfliktmanagement-Kongress 2014 in Hannover

Der Bogen des 11. Konfliktmanagement-Kongresses 2014 im Landgericht Hannover war weit gespannt: Von persönlichen Highlights möchte Volker Walpuski rückblickend berichten:

Der Impulsvortrag von Professor Dr. Arist von Schlippe war erwartungsgemäß gut. In schneller Folge präsentierte er seine Gedanken über „Die eskalierende Dynamik von Feindbildern - eine Herausforderung für die Mediation“. Er begann mit der unglaublichen Kraft von Geschichten, die das Beschriebene verändern. Erzählungen können so „dämonisierte Zonen“ schaffen. Als Erklärungen für das konflikteskalierende Handeln waren die beiden von ihm beschriebenen Wahrnehmungsfehler hilfreich:

1. Der fundamentale Wahrnehmungsfehler lässt uns eigenes Handeln aus der Situation und als Reaktion auf das Gegenüber erklären: „Er lässt mir ja nichts anderes übrig...“

2. Der feindselige Wahrnehmungsfehler verhindert, aus dem Konflikt wieder auszusteigen: „Einmal bösartig, immer bösartig!“

Beide Wahrnehmungsfehler, die uns allen zu eigen sind, machen sehr deutlich, wie wichtig und hilfreich ein außenstehender Dritter in einem Konflikt ist, um die jeweilige individuelle Wahrnehmung zu korrigieren oder zu relativieren.

Auf die Dokumentation des Vortrags auf der Webseite des Kongresses mit weiteren interessanten Erklärungsansätzen bin ich sehr gespannt.

Anschließend arbeitete der Kongress in sechs Foren weiter. Das Forum 3 beschäftigte sich mit Konfliktlösung durch Rechtsschutzversicherer. Denn inzwischen bieten rund zwei Drittel der Rechtsschutzversicherungen Mediation im Rahmen des Versicherungsschutzes an. Dabei wurde deutlich, dass dies im Verständnis der Versicherer meist von Juristen mit Staatsexamen durchgeführte Shuttle-Mediationen sind. Gute 40 % der Versicherungsnehmer sind mit dieser Leistung zufrieden: ihre Konflikte werden schnell und ohne Begegnung mit der Gegenseite gelöst. Das umstrittene Verfahren der telefonischen Shuttle-Mediation bedeutet, dass die MediatorIn telefonisch einzeln mit den Konfliktparteien verhandelt und eine Lösung erarbeitet.

Zahlreiche anwesende MediatorInnen sahen dies erwartungsgemäß kritisch, und es entspann sich immer wieder eine kontroverse Diskussion. Für manche Konflikte mag das ein sehr geeignetes Vorgehen sein, war die oft gehörte Meinung. Vor allem für Konflikte, bei denen man sich nicht wiedersieht, wie mit Dienstleistern oder ehemaligen Arbeitgebern. Dort, wo Konflikte jedoch langfristige Beziehungen (beispielsweise in der Familie, Nachbarschaft oder am langjährigen Arbeitsplatz) oder komplexe Sachverhalte mit mehreren Beteiligten (wie zum Beispiel in Teams oder Organisationen) betreffen, schien ihnen das Verfahren ungeeignet. Auch schien fraglich, ob die Shuttle-Mediation durch positive Erfahrungen bei den Medianden die Hemmschwelle für Präsenzmediationen senkt, zumal sich Shuttle-MediatorInnen häufig nicht als Mediatoren vorstellen. Deutlich wurde zudem die Unsicherheit der Rechtsschutzversicherer, Qualität mit dem ungeschützten Begriff Mediator zu verbinden: Die Rechtsschutzversicherer halten sich lieber an zusatzqualifizierte RechtsanwältInnen, da ihnen diese in Denk- und Arbeitsweise vertraut sind und die Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA) für Qualität zu bürgen scheint. Am Ende stand der Vorschlag, in Versicherungsverträge grundsätzlich Mediationsklauseln aufzunehmen und damit mit gutem Beispiel für eine veränderte Konfliktkultur voranzugehen.

Bezüglich der Rechtsverordnung für den zertifizierten Mediator gab es keinen neuen Sachstand zu vermelden. Orevo bereitet jedoch für 2015 gezielt eine Supervisionsgruppe für MediatorInnen vor. Darin können Fälle besprochen werden. Die Supervision ist nach dem derzeitigen Entwurf notwendig, um die Zertifizierung zu erhalten. Bitte sprechen Sie uns bei Interesse gern an.

Insgesamt war der Konfliktmanagementkongress äußerst lohnend. Die Auswahl war zu groß: Auch die Workshops zu Interkultureller Mediation mit der Einführung in das Perspektiven-reflexive Modell lockten. So bleibt nur die Vorfreude weitere spannende Kongresse, das nächste Mal im Herbst 2015.

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