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Fachtag: Erfolg und Scheitern in der Beratung

Über Erfolge spricht jeder gern und sonnt sich in deren Glanze. Aber über Scheitern? Volker Walpuski nahm an dem Fachtag der Universität Kassel teil.

Denn gerade in missglückten Beratungen steckt Potenzial für die Entwicklung aller Beteiligten. Die Analyse und Reflexion von gescheiterten Interventionen ermöglicht Lernen und weckt das verborgene Potenzial der beteiligten Personen, neue Ideen zu generieren. Als Einstieg in das Thema und in die Ambivalenz von Erfolg und Scheitern in Beratungssituationen hielt Dr. Hellmut Santer (osb – international) aus Wien einen Vortrag.

Zunächst verdeutlichte Dr. Santer den konstruierten Referenzrahmen: Erfolg ist eine Konstruktion, ebenso wie Scheitern. Die Deutsche Bahn setzt das nachvollziehbar um: Ein Zug ist pünktlich (also erfolgreich), wenn er nicht mehr als fünf Minuten zu spät den Zielbahnhof erreicht. Früher hieß es im Volksmund noch: "Pünktlich wie die Eisenbahn!". Aber was ist pünktlich? Und was ist dann erfolgreich?

Eine Dimension von Erfolg ist das persönliche Erfolgsempfinden von einerseits BeraterIn und andererseits KlientIn bzw. Klientensystem:

Als Berater kann ich fachlich einen Erfolg verbuchen oder emotional die Beratung mit einem Erfolgsgefühl verlassen. Das sagt jedoch nichts über die Sichtweise von KlientIn oder einem Klientensystem wie bspw. einem Unternehmen aus. Auch die andere Seite bewertet die Fachlichkeit oder verspürt Erfolgsgefühle. Oder eben auch nicht. Das Empfinden kann dabei, wie jeder weiß, erheblich divergieren. Erst recht dann, wenn auf Seiten des Klientensystems unterschiedliche Interessensgruppen betroffen sind. Eine missglückte Beratung aus der Sicht der BeraterInnen kann für den Klienten durchaus fruchtbare Impulse geliefert haben. Umgekehrt kann eine gelungene Beratung in den Augen der Klientin als erfolgloser Beratungsversuch empfunden werden.

Eine andere Perspektive, über Erfolg oder Scheitern zu urteilen, ist die Frage, ob die Beratung die Überlebensfähigkeit des beratenen Systems erhöht hat.

Dr. Santer vertrat dabei die These, dass vor allem das Übersehen eigener blinden Flecken, mangelhafte oder übereilte Auftragsklärung, Bequemlichkeit oder Gier zu gescheiterten Beratungsprozessen führt. Damit sprach sprach er sich für regelmäßige Selbstreflexionen und Kontrollsupervisionen von BeraterInnen aus.

Eine ausführliche Dokumentation der von der Deutschen Gesellschaft für Supervision (DGSv) unterstützten Tagung inklusive einer Textfassung des Vortrags wird 2014 in der Zeitschrift Supervision erscheinen.

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