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Organisationsaufstellung: Wie eine topologische Systemtheorie Vorstellungen von Raum hinterfragt

Einen faszinierenden Vortrag hielt Thomas Latka im Rahmen der Tagung Begegnungen im Raum – Organisationsaufstellung im Dialog mit Wissenschaft. Ausgehend vom japanischen Philosophen Nishida Kitarō stellte er dem westlichen Subjekt-Objekt-Dualismus mit linear-trivialen Vorstellungen das alternative Konzept eines Raumes gegenüber. Latka verdeutlichte an der Sprachkonstruktion, was das in interkulturellen Kontexten bedeutet:

In westlichen Sprachen richtet sich der Satzbau nach der Regel Subjekt-Prädikat-Objekt und damit alles im Satz sich am Subjekt aus. Dahinter steht steht vereinfacht dargestellt die Vorstellung, dass sich die Welt um ein Subjekt dreht. Das Subjekt ist demnach der Mittelpunkt. Dem entgegen steht die japanische Sprache (aber auch andere Sprachen wie Inuktitut, die Sprachfamilie der Inuit). Im Japanischen richtet sich der Satzbau am Prädikat aus, das sich verändert. Subjekt und Objekt bleiben unverändert. Dahinter steht, vereinfacht dargestellt, die Auffassung, dass sich das Subjekt in der Welt befindet und die Welt in sich spürt. Die Umwelt oder der Raum ist demnach das zentrale Element.

Mit einer Sprechübung wurde eindrücklich, was Latka vermitteln wollte: Aufgabe war, sich in Sätzen ohne Personalpronomen und Nomen zu unterhalten. Es entstanden beschreibende Satzfetzen wie "ungeduldig sein", "nicht ausdrücken können", "beenden wollen" oder "verstummend".  Die Teilnehmenden waren sich einig, dass diese Sprechweise es sehr viel mehr erfordert, auf eigene Gefühle und die der Gesprächspartner zu achten.

Latkas Plädoyer, die Systemaufstellung brauche eine neue Vorstellung von Raum, macht neugierig, sich mit alternativen Systemtheorien weiter zu beschäftigen. Insbesondere bei der Arbeit in interkulturellen Kontexten hilft diese Infragestellung sehr, bestehende Denkmuster aufzulockern. Dies gilt auch für unterschiedliche Kategorisierungen, die häufig Ursache für interkulturelle Konflikte und Missverständnisse sind.

Volker Walpuski und Chirstian Heinrich von Orevo sind sich einig: Allein schon dieser Vortrag hat die Tagungsteilnahme gelohnt!

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