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3. Netzwerktreffen Konfliktmanagement und Mediation an Hochschulen

An Universitäten und Hochschulen gibt es viele Schauplätze für Streitigkeiten: In Sonderforschungsbereichen (SFB), Drittmitteleinsatz oder Budgetierung wie auch Leistungsbeurteilung oder der Betreuung von Promovierenden sind die Beteiligten nicht immer einer Meinung. Wie Konfliktmanagement und Mediation erfolgreich an den Hochschulen eingesetzt werden können, diskutierten 32 VertreterInnen von Hochschulen und Behörden aus ganz Deutschland im Rahmen des 3. Netzwerktreffen Konfliktmanagement und Mediation. Volker Walpuski udn Hanna Jessen hatten die Veranstaltung für die Hochschul-Informations-System-GmbH konzipiert und moderiert.

„Wer vor einem Säbelzahntiger flüchtet, hat keine Zeit nachzudenken“, setzte Prof. Dr. Peter Kaiser von der Universität Vechta bei den Urinstinkten des Menschen an.

Das Feedback der Teilnehmenden fällt sehr gut aus!Kaiser erläuterte in seinem Inputreferat am Vormittag, wie Stress – also auch Streit – sich auf die Hirnstrukturen einer Person auswirkt. Mit seiner Arbeitsgruppe Mediationsforschung hat er 270 Gerichtsmediationen analysiert und die Nachhaltigkeit des Verfahrens untersucht. Einer der wichtigsten Aspekte ist dabei die Kompetenz der Mediatoren, eine vertrauensvolle und kooperative Arbeitsbeziehung zwischen den Beteiligten herzustellen. Prof. Dr. Kaiser arbeitete heraus, dass die Methode speziell in der Gerichtsmediation eine hohe Effizienz durch die niedrige Zahl der notwendigen Sitzungen und eine hohe Zustimmung bei den Konfliktparteien zum Verfahren und den erzielten Ergebnissen erreicht. Er plädierte dafür, die Wirksamkeit von Mediation analog zu Medikamentenstudien empirisch nachzuweisen und sah seine Studie als eine erste Annäherung.

Anne Schwarz bewertete in ihrem Input die Erhebung von Konflikten als notwendige Grundlage für die Entwicklung eines praxisbezogenen Konfliktmanagements an der Leibniz Universität Hannover: „Wer kommt mit welchem Problem zu welcher der multiplen universitätsiinternen Beratungsstelle, welche Parteien sind involviert, welche Auswirkungen hat der ungelöste Konflikt für die Uni?“ Die erfassten Fälle wurden dann nach Konfliktkonstellationen („Wer mit wem?“), inhaltlich nach Themen oder Hintergründen der Konflikte und zudem nach ihrer Eskalationsstufe systematisiert. Schwarz erläuterte, wie Konflikte sich negativ auf die psychische und körperliche Gesundheit der Beteiligten auswirkten und betonte: „Wenn die Hochschulleitung nicht mit im Boot sitzt, wird kein Konfliktmanagement eingeführt.“

Der nachhaltige Umgang mit psychosozialen Belastungen beschäftigte auch Kristin Unnold von der Universität Bielefeld. Probleme entstehen immer an der Mensch-Mensch-Schnittstelle; dabei spielen die horizontalen und vertikalen sozialen Beziehungen (soziale Netzwerke, Führung) eine bedeutende Rolle. Langfristig lässt sich sowohl auf der Arbeitsbereichsebene wie auch an der Hochschule insgesamt die Arbeitssituation für alle Beteiligten nur verbessern, wenn Stressoren identifiziert und bestehende Konflikte offengelegt und gelöst werden. Insbesondere bei der Hochschulleitung und bei den Führungskräften bedürfe es einer hohen Bereitschaft, diesen Prozess mitzutragen, so Schwarz. insbesondere um Führungsverhalten, Vertrauen und Gerechtigkeit oder auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie an der Hochschule zu verbessern.

Wie auch schon im vergangenen Jahr nahm eine Gruppe von Teilnehmenden das Angebot einer hochschulübergreifenden Fallsupervision durch Volker Walpuski an. In kollegialer Atmosphäre konnten anonymisierte Fälle kreativ bearbeitet und besprochen werden. Mit der Methode der analogen Rückmeldung durfte die rationale linke Hirnhälfte pausieren udn die rechte, kreativ-phantasievolle Hirnhälfte konnte ihre Perspektiven einbringen. Die Falleinbringenden erhielten für die akute Situation neue Lösungsansätze und fühlten sich sichtbar erleichtert.

In weiteren Workshops tauschten die Teilnehmenden am Nachmittag ihre Erfahrungen mit der hochschulinternen Akzeptanz von Konfliktmanagement und Mediation aus. Als eine wünschenswerte Konstellation wurde dabei diskutiert, Auseinandersetzungen zunächst in die Hände von „Konflikt-Navigatoren“ (bspw. Personalrat, Gesundheitsbeauftragte, Beschwerdemanagement) zu legen – und erst ab einer relevanten Eskalationsstufe einen (internen oder externen) Mediator hinzuzuziehen. Dabei wurde deutlich, dass die an Hochschulen eingesetzten externen MediatorInnen sinnvollerweise mit den Spezifika von Hochschulen und Universitäten vertraut sein sollten.

Eine andere Gruppe diskutierte die Möglichkeit, mit Betreuungsvereinbarungen mehr Sicherheit für Professoren und Promovenden herzustellen. Dabei wurden Aspekte, wie „der Wert eines Promotionsthemas“ sowie Rechte und Pflichten in diesem speziellen Betreuungsverhältnis in den Fokus gerückt.

In den Vorträgen und Gesprächsgruppen kristallisierte sich immer wieder die enorme Bedeutung der psychosozialen Kompetenz von Konfliktberatenden heraus, da asymmetrische, hierarchische Auseinandersetzungen an Hochschulen besonders häufig auftreten. Zudem gäbe es mit der Trennungslinie Forschung & Lehre vs. Beschäftigte einen immanenten Systemkonflikt.

Die Teilnehmenden waren sehr zufrieden mit der Veranstaltung. Im Blick auf die Zukunft wünschten sie sich eine intensivere, möglicherweise häufigere bzw. mehrtägige Fortführung des Netzwerktreffens.

Katharina Seng / Volker Walpuski / Hanna Jessen

 

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